Meditation im Kloster und die Lehre des Vipassana

Erfahrungsbericht zu Meditationsreisen in Deutschland.

Meditation im Kloster und die Lehre des Vipassana

Erfahrungsbericht zu Meditationsreisen in Deutschland.

10 Tage schweigen und meditieren? –

Eine neue Erfahrung die ich eindeutig weiterempfehlen kann.

| Mrz 5, 2016 | Jens | In deiner Stadt |

Wie kam ich dazu?

Es war eher ein Zufall, dass ich auf Vipassana und den 10-Tages-Schweigekurs aufmerksam geworden bin. Beim Frühshoppen nach einer Geburtstagsfeier einer Bekannten, erzählte eine Freundin von ihr beiläufig von einem Meditationskurs bei dem 10-Tage nicht gesprochen wird. Da mich spirituelle Themen und auch Kloster schon immer sehr interessiert haben, habe ich weiter nachgebohrt. Sie selber hatte es noch nicht gemacht, aber ein anderer Gast welcher unser Gespräche zufällig mitgehört hatte. Er erzählte über ihre Erfahrungen und die fünf Regeln die dort gelten und die für die Dauer des Kurses unbedingt eingehalten werden müssen:

  • Kein lebendes Wesen zu töten
  • Nicht zu stehlen
  • Sich jeglicher sexueller Aktivität zu enthalten
  • Nicht zu lügen
  • Keine Rauschmittel irgendwelcher Art (einschl. Tabak und Alkohol) zu sich zu nehmen

Meine Neugier war geweckt und ich wollte unbedingt mehr darüber wissen. Als ich am Abend nach der Feier zuhause war, habe ich mich direkt weiter mit diesem Thema und der Meditationsart die dort gelehrt wird beschäftigt. Und je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe umso mehr hat es mich fasziniert und meinen Wunsch gestärkt an diesem Kurs teilzunehmen.

Der Tagesablauf

Auch wenn der Tagesablauf tatsächlich im ersten Moment eher abschreckend war.

04:00 Gong – Aufstehen

04:30-06:30 Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer

06:30-08:00 Frühstückspause

08:00-09:00 GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

09:00-11:00 Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer entsprechend den Anweisungen des Lehrers

11:00-12:00 Mittagessen

12:00-13:00 Ruhepause und Gelegenheit zum Interview mit dem Lehrer

13:00-14:30 Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer

14:30-15:30 GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

15:30-17:00 Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer entsprechend den Anweisungen des Lehrers

17:00-18:00 Teepause

18:00-19:00 GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

19:00-20:15 Vortrag des Lehrers in der Halle

20:15-21:00 GRUPPENMEDITATION IN DER HALLE

21:00-21:30 Zeit für Fragen in der Halle

21:30 Nachtruhe – Licht aus

 

Die Anmeldung und Vorbereitung auf den Kurs:

Zunächst ist es gar nicht so leicht überhaupt einen Platz zu bekommen. Die Kurse in Triebel sind meist bereits nach kurzer Zeit ausgebucht. Sie werden in der Regel 3 Monate vor Beginn des Kurses auf der Website freigeschaltet und dann muss man sich sehr schnell anmelden. Natürlich sollte man vorher genau schauen, dass es auch tatsächlich 10 Tage möglich ist daran teilzunehmen. Bei mir hat es noch fast ein Jahr gedauert, bis ich an dem Kurs teilgenommen habe.

Natürlich hatte ich großen Respekt davor. Das Schweigen war weniger das Problem. Mir hat das Sitzen Angst gemacht. Die Vorstellung 11 Stunden am Tag im Schneidersitz zu sitzen, hat mir sehr viel Respekt eingeflößt. Aber mein Ehrgeiz und der Wunsch diesen Kurs zu besuchen waren größer.

Also angemeldet und versucht jeden Tag vor dem Seminar zumindest eine halbe Stunde zu meditieren. Aber alleine das Stillsitzen ist mir schwergefallen. Ständig gehen die Gedanken irgendwo hin und ich habe, wenn ich mich überhaupt hingesetzt habe, nur wenige Minuten durchgehalten. Dies sorgte noch mehr für Respekt, aber die auch dies hat mich keineswegs entmutigt, sondern eher bestärkt dies zu erlernen.

Ich habe bereits einige Wochen vorher angefangen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis davon zu berichten, dass ich an diesem Seminar teilnehmen werde. Die Reaktionen waren hauptsächlich positiv und es kamen viele Fragen wegen dem Schweigen. Hältst Du das durch? Das klingt super spannend, aber für mich wäre das nichts. Dies waren eigentlich die häufigsten Reaktionen zu dem Thema.

Je näher der Tag rückte, umso mehr fragte ich mich wie das sein wird aber niemals hatte ich es in Betracht gezogen doch nicht zu fahren. Ich besorgte mir noch einige wichtige Dinge wie Flip-Flops, bequeme Hosen und weite T-Shirts, damit ich es zumindest bequem hatte, wenn ich schon den ganzen Tag sitzen sollte.

Die Ankunft:

Und dann kam der große Tag. Ich reiste mit der Bahn nach Triebel, was von Bonn aus relativ gut zu erreichen ist. Auf der letzten Strecke mit der Regionalbahn traf ich bereits zwei weitere Teilnehmer. Dies konnte ich an dem schweren Gepäck erkennen und wir teilten uns auch direkt ein Taxi in das „Kloster.“

Einer der beiden nahm bereits das dritte Mal teil, wobei er seinen zweiten Kurs nach drei Tagen abgebrochen hatte. Die andere war dagegen ebenfalls das erste Mal dabei.

Nun ja, die Ankunft war sehr nett. Es ist ein riesiges Gelände mit einem wunderschönen Ausblick und sehr ruhig gelegen. Es gab zwei Registrierungsräume, einen für Männer und einen für Frauen. Die Geschlechtertrennung musste auch während der 10 Tage eingehalten werden. Uns empfing ein freundlicher „Mitarbeiter“ der uns noch einmal auf die Regeln aufmerksam machte. Es sollten alle Bücher und sonstigen Gegenstände wie Schreibutensilien abgegeben werden. Die Mobiltelefone wurden in einem Safe geschlossen. Bevor ich dieses abgab, rief ich einfach nur weil ich nochmal konnte, mein Schwester an und sagte ihr dass ich gut angekommen war. Danach gab ich mein Mobiltelefon für 10 Tage ab (es ist im ersten Moment tatsächlich ein komisches Gefühl, aber nach 10 Tagen wollte ich das Ding gar nicht wiederhaben.)

Wir bekamen jeweils Zimmer zugewiesen. Meist handelt es sich um kleine 4-Bettzimmer. Aber da wir ja sowieso die nächsten 10 Tage weder sprechen, noch sonst irgendwas Intimes machen konnten, ist dies auch nicht so wichtig. Meine Mitbewohner haben zumindest jeden Tag geduscht.

Nach der Einführung ging es dann in den großen Meditationssaal in dem wir von der Dhamma-Meisterin und Leiterin des Standorts Triebel begrüßt wurden und noch einmal einige Instruktionen erhielten. Über eine Tonbandaufnahme gab der Vipassana-Meister S.N. Goenka die erste Meditationsübung für diesen und den Folgetag vor. Wir sollten uns auf einen kleinen Bereich unserer Nase konzentrieren und beobachten wie die Atmung sich anfühlt. Bei jedem Ein- und Ausatmen gucken wie es sich anfühlt. Wie fühlt sich der Atem an, ist er warm, kommt er durch das linke, das rechte oder durch beide Nasenlöcher usw. Sobald wir mit den Gedanken abgeschweift waren, einfach wieder zurück zur Atmung kommen. Ich gebe zu es hat nicht gut geklappt am Anfang und die Stunde kam mir sehr lang vor.

Nach der ersten Meditation begann sie dann: die edle Stille. Zehn Tage lang kein Wort sprechen, nicht lesen, nicht schreiben, keinerlei Kommunikation.

Wie ist es mir ergangen? Die Lehren Buddhas miterleben:

Die Tage wurden tatsächlich so durchgezogen wie es beschrieben war. Ich verbrachte also tatsächlich zehn Tage ausschließlich mit Essen, Trinken, Schlafen und vor allem Meditieren. Es ist schwer zu sagen an welchem Tag ich mich wie gefühlt habe, aber ich weiß, dass ich über alles was mich in meinem Leben beschäftigt ausführlich nachgedacht habe.

Die einzigen neuen Informationen die wir täglich erhalten haben, war ein etwa einstündiger Vortrag des Vipassana-Meisters S.N. Goenka. Diese waren tatsächlich sehr interessant. Teilweise wirklich auch zu lang aber die Geschichten waren sehr spannend und hat mir gezeigt, dass die buddhistische Lehre tatsächlich eine wirklich spannende Art des Lebens darstellt.

Am vierten Tag kam tatsächlich der Gedanke was ich eigentlich dort tue. Wieso verbringe ich meinen Urlaub dort und nicht mit irgendwelchen Cocktails am Strand? Diese Frage sollte mich bis zum 6. Tag immer wieder beschäftigen. Ich denke der vierte und der sechste Tag waren tatsächlich die schwersten für mich. Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Es war interessant wie einen die Vorträge zu der Lehre Vipassana und die edle Stille immer weitergebracht haben. Es gab niemandem mit dem ich mich hochschaukeln konnte oder erzählen konnte wie schlecht es mir gerade ging. Wahrscheinlich war ich nicht der einzige dem es so ging.

Aber über die Tage wurde die Meditation immer intensiver, da auch der Kopf immer ruhiger wurde. Mein Verstand wurde täglich fokussierter bis sich der Verstand tatsächlich ganz abschalten ließ. Ab dem sechsten Tag konnte ich fast eine Stunde still sitzen und meinen Körper beobachten. Auch wenn die Beine, der Rücken und eigentlich alles vom vielen Sitzen schmerzten, es war wunderbar.

Was ist Vipassana?

Bei Vipassana handelt es sich um eine 2.500 Jahre alte Meditationstechnik aus Indien. Sie wurde damals von Buddha wiederentdeckt nachdem sie für Jahrhunderte verschollen war. Das Wort Vipassana bedeutet die Dinge sehen wie sie wirklich sind. Es ist ein Prozess der Selbstheilung durch Selbstbeobachtung.

Die „Schmerzen“ ließen sich deshalb sehr gut in die Meditation integrieren, denn es ging nun darum zu beobachten. Immer wieder durch seinen Körper zu fühlen und sehen was er sagt. Sei es Schmerz, sei es ein Jucken oder sonst etwas. Einfach nur beobachten, ohne es zu bewerten, sondern nur zu beobachten. Was macht dies mit mir? Welche Anzeichen gibt Dein Körper? Und es ist klar, dass dieser Schmerz auch wieder gehen wird. Denn alle Gefühle, aller Schmerz ist nur bei uns und kann von niemand von außen geheilt werden.

Und diese Erfahrungen werden innerhalb dieser 10 Tage immer intensiver. Und irgendwann gibt der Verstand tatsächlich Ruhe. Nach 5-6 Tagen hatte ich dann tatsächlich alles gedacht, was ich denken konnte und da keine neuen Informationen hinzukamen, wurde es wirklich auf einmal schön leer in meinem Kopf. Das einzige worüber ich nachdenken konnte, war wie ich die Mittagspause nutze. Nach dem Essen in die Sonne legen, in der Natur spazieren gehen oder doch aufs Zimmer legen. Und die abendlichen Vorträge die sich hierdurch auf viel besser ins Gedächtnis eingebrannt haben.

Die abendlichen Vorträge:

Hier hat mich neben dem Input über die Meditation und deren Nutzen besonders die Lehre über das Leben gefesselt. Ich habe mich schon häufiger damit auseinandergesetzt und die Lehre hat sich auch mit dem gedeckt was ich bisher geglaubt habe aber so wie es in den Vorträgen noch einmal dargestellt wurde, war es total toll und ich bekam tatsächlich das Gefühl, Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu bekommen. Auch das Thema Karma wurde sehr ausführlich vorgestellt. Ich denke für jemanden der sich bisher nur wenig mit diesen Themen auseinandergesetzt hat, ist dieser Input tatsächlich sehr spannend. Aber auch wenn bereits ein tieferes Wissen über die buddhistische Lehre vorhanden ist, gibt es hier neue Erkenntnisse und Geschichten die sehr interessant sind.

Besonders gut fand ich die Aussagen, dass egal ob Du nun Christ, Jude oder Moslem bist, das spielt bei dieser Art der Meditation keine Rolle. Die Heilung und die Arbeit kann nur von Dir kommen. Die etablierten Religionen haben alle die Verantwortung nach außen abgebeben. Du sollst zu einem Gott beten und Jesus den Sohn Gottes nennen und ähnliches. Dies reicht bei den meisten Weltreligionen um in den Himmel zu kommen. Du sollst einfach nur gehorchen. Vipassana dagegen sagt, Du sollst es selber spüren und arbeiten, erst dann ist es eine Wahrheit. Du sollst nicht meditieren und die Übungen machen, weil Dein Meister Dir dies sagt sondern weil Du spürst, dass es das richtige ist. Und dies kann Dir kein Mensch und auch kein Gott abnehmen. Du selber musst an Dir arbeiten und dies nicht nach außen geben.

Deshalb war es für Buddha auch nicht wichtig, ob Du Dich Buddhist, Christ oder Moslem nennst. Buddha wollte den Menschen zeigen wie sie sich befreien können aus dem Hamsterrad der Wiedergeburten. In diesem Punkt erhebt Vipassana allerdings auch eine Art Alleinstellungsmerkmal die einzige Möglichkeit zu sein dies zu erschaffen. Dies hat mir wiederum nicht gefallen. Denn auf der einen Seite sagen sie, dass jede Religion, jede Art der Meditation praktiziert werden darf, aber Vipassana eigentlich doch die einzige Methode sei zu Erleuchtung zu sein. Und es wurde auch ordentlich Werbung dafür gemacht diese Art der Meditation durch Weitererzählen, Spenden und Hilfen weiterzuentwickeln.

ABER dieser Kurs ist auch vollständig kostenlos. Es ist auf reiner Spendenbasis und dies bereits seit 2.500 Jahren. Für jeden Vipassana-Meister ist es wichtig, dass jeder Mensch egal von welcher Herkunft es möglich ist diese Art der Meditation zu erlernen. Am Ende kann jeder das geben was er kann.

Mein Fazit dieses Seminars?

Jeder der Lust hat und den Drang verspürt es zu machen, sollte es tun. Es ist eine super Erfahrung und hat mir auf sehr vielen Ebenen ungemein weitergeholfen. Was ein Teilnehmer zum Abschluss dieser zehn Tage verspürt, ist der Wahnsinn. Ich habe viele Berichte darüber gelesen, aber ich glaube es kann keiner in Worte fassen was in diesen zehn Tagen mit jemandem passiert. Ich denke es liegt auch daran, dass jeder Mensch dies anders erfährt. Auch die 10 Tage werden von jedem Menschen ganz anders wahrgenommen auch deshalb ist der Austausch zwischen den Menschen nicht erlaubt, damit jeder zu einhundert Prozent seine eigenen Erfahrungen machen kann und dies geht nur in dem Rahmen des Schweigens.

Seit Abschluss des Kurses meditiere ich täglich. Ich schaffe es nicht jeden Tag zweimal und definitiv keine Stunde morgens und abends (wie es eigentlich sein sollte), aber ich tue es regelmäßig und ich merke wie gut es mir tut.

Diese Stille und Ruhe im Kopf die allerdings während dieser zehn Tage gespürt habe, ist sehr schwierig im Alltag herzustellen. Aber auch viele andere Dinge haben sich geändert. Insbesondere das Wissen um Karma hat meine Einstellung zu vielen Dingen verändert. Direkt nach dem 10-Tages-Kurs wollte eine Kunde eine Beratung zum Thema Massenhühnerhaltung. Ich habe mich geweigert dieses Projekt zu bearbeiten und es stieß auch auf Verständnis meiner Kollegen.

Insgesamt hat es viel bewegt bei mir und mich wie gesagt ein großes Stück weitergebracht. Und auch wenn ich glaube, dass tatsächlich jeder Mensch von diesem Kurs profitierten wird und die Welt in der wir leben definitiv eine andere wäre wenn sich mehr Menschen mit Charma, Dhamma und Meditationen auseinandersetzten würden, ist es nicht für jedermann etwas. Die zehn Tage sind hart und jeder Teilnehmer muss den Willen haben es durchzuziehen.

Weitere Informationen findet Ihr hier:

Vipassana Deutschland: https://www.dhamma.org/de/index

Vipassana Youtube: https://www.youtube.com/user/VipassanaOrg

 

 

Jens und Dennis

Hallo zusammen, schön, dass du da bist. Wir sind Jens und Dennis. Mit Kompass und Gabel in der Hand reisen wir durch fremde Länder und haben stets unsere Gabel in fremd und exotisch wirkenden Kochtöpfen. Komm doch einfach mit uns zusammen auf Tour. Blicke in unsere Berichte und Reportagen. Mehr über uns.

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